Rassismuskritisches Denken
-MyU im Gespräch mit exit RACISM Autorin Tupoka Ogette-

Autorin Tupoka Ogette, zusammen mit ihrem Ehemann Stephen Lawson, während Ihrer Buchvorstellungstour 2017 zu Ihrem aktuellen Buch „Exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen“ .

MyUrbanology: Hey liebe Tupoka, wir selbst haben aufmerksam Dein Buch gelesen und bewundern Dich und Deinen Ehemann Stephen Lawson dafür, dass Ihr durch ganz Deutschland getourt seit um den Menschen rassismuskritisches Denken näher zu bringen.

Wir bedanken uns über die Möglichkeit mehr über Dich, Deine und Eure Arbeit und exit RACISM zu erfahren.  Stell Dich uns doch bitte kurz vor.

Tupoka Ogette: Hallo ihr Lieben. Ich bin Tupoka, lebe mit meiner Familie in Berlin und arbeite seit 2012 als Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung. Das bedeutet, dass ich Trainings, Workshops, als auch  Beratungen durchführe und als Speakerin tätig bin. Mein Themenfokus ist Rassismus, genauer gesagt geht es mir ums rassismuskritisch denken lernen.

Welchen entscheidenden Moment gab es in Deinem Leben, der Dich dazu gebracht hat, Dich für Deine aktuelle Ausrichtung und Tätigkeit und vor Allem zum Schreiben Deines aktuellen Buches Exit RACISM-rassismuskritisch denken lernen zu entscheiden?

Das war kein singuläres Ereigniss, eher eine Verkettung von Ereignissen. Ich denke sogar, dass es sich einfach dahin entwickelt hat. Ich war längere Zeit im Ausland, um genauer zu sein sechs Jahre in Frankreich. Und als ich zurück nach Berlin kam, bekam ich keinen Job, egal wie qualifiziert ich nach einem Magisterabschluss, einem Masterabschluss und fünf Jahren Berufserfahrung in Leitungsfunktion war. Zudem wurde ich immer angespannter, weil mich der Alltagsrassismus, der in Frankreich zwar auch präsent gewesen war, von dem ich mich dort aber besser distanzieren konnte, innerlich zunehmend wütender machte. Ich habe mich dann daran erinnert, dass ich schon lange die Idee hatte einen Workshop speziell für Eltern von Schwarzen Kindern zu entwickeln. Diese Idee habe ich dann umgesetzt und beworben. Und dann ging es ab. Ich hatte plötzlich Anfragen aus ganz Deutschland. Und über die Zeit kamen immer mehr Anfragen aus den verschiedensten Bereichen hinzu. Inzwischen arbeite ich mit meinem Mann Stephen Lawson zusammen, und gemeinsam geben wir Workshops, Lesungen und halten Reden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und selbst in Italien.

Für wen hast Du dieses Buch geschrieben?

Also in erster Linie richtet sich das Buch an Weiße Menschen, die sich mit Rassismus auseinandersetzen wollen. Aber natürlich habe ich es auch und besonders für meine Schwarzen und PoC Geschwister geschrieben. Denn ich wünsche mir, dass sie dadurch vielleicht ein anstrengendes Gespräch weniger führen müssen, eine Mikroagression weniger erleben müssen.

Welche Rolle spielt Dein Schwarzsein für Deine Tätigkeit?

Mein Schwarzsein, und in der Verschränkung damit auch mein Frau sein, prägen meine Sicht auf die Welt und die Erfahrungen, die ich im Alltag mache. Natürlich nehme ich diese Perspektive auch mit in meine Arbeit. Wenn wir über Rassismus sprechen ist es ja essentiell zu wissen, aus welcher Position wir sprechen.

In welchen Bereichen der Gesellschaft wünscht Du Dir mehr Sichtbarkeit, mehr Angebote, mehr Empowerment für Schwarze Menschen? Planst Du zukünftig weitere Angebote für die Community?

Kurz gesagt: Überall. Es gibt uns als Schwarze Menschen schon so lange in Deutschland und ich wünsche mir, dass wir überall mehr Sichtbarkeit bekommen, mehr gehört werden. Wir bieten ja bereits immer wieder Empowerment Workshops für Schwarze Menschen an. Momentan planen wir einen Space speziell für Schwarze Mütter, wo es um Austausch, Heilung und Stärkung gehen soll. Das hat Sharon Otoo vor einigen Jahren bereits begonnen, ich freue mich auf ihrer Initiative aufbauen zu dürfen und diese fortsetzen zu können. Weiterhin planen wir gerade mit einigen anderen tollen Menschen aus der Community eine Schwarze Diaspora Schule für Kinder der ersten bis vierten Klasse. Dabei soll es um Empowerment durch Wissen, Kreativität und durch das Zusammensein gehen. Wir hoffen hier mit EOTO e.V. kooperieren zu können. Gemeinsam mit meinem Mann Stephen arbeite ich auch an empowernden Illustrationen, Geschichten und vielem mehr. Es gibt viel zu tun.

In welchen Kontexten kann man Dich darüber hinuas noch hören, lesen, sehen und live erleben?

Im Internet gibt es inzwischen einige Radiointerviews mit mir, sowie Artikel und YouTube Videos von mir und über mich. Stephen und ich sind derzeit auch wieder auf Lese- und Buchtournee und geben nach wie vor viele spannede Workshops. Um auf dem Laufenden zu bleiben schaut ihr am besten einfach auf meine Website oder liked meine offizielle Facebook Seite. Dort werdet ihr informiert, wo ihr uns demnächst wieder live erleben könnt.

Welches andere Rolemodel darf MyUrbanology auf keinen Fall vergessen vorzustellen?

Es gibt so viele tolle inspirierende Schwarze Menschen, vor allem so viele Frauen, von denen wir als Gesellschaft und ich persönlich gelernt habe, lerne, inspiriert werde. Ich nenne hier aber mal Saraya Gomis. Sie ist derzeit Antidiskriminierungsbeauftragte für Schulen. Sie ist für mich die Verkörperlichung einer echten “Warrior Queen”. So viel Mut, Kraft, Energie und gleichzeitig Herz, Sanftmut, Liebe und Humor in einer Person. Wahnsinn.

https://www.tupokaogette.de/
Facebook: Tupoka Ogette

Hier geht`s zur Buchvorstellung von EXIT RACISM auf MyU